Hi alle
Bin ganz neu hier und hoffe mal, dass ich hier nicht gleich beim ersten Posting alles falsch mache
Ich poste hier mal zunächst nur den Prolog zu meinem Fantasy Abenteuer. Weiteres folgt. Wenn ich das Geschriebene jetzt alles auf einmal posten würde, würde es wohl keiner lesen wollen
Das Ganze ist bzw. wird ein klassischer Fantasyroman, der einfach eine interessante Geschichte erzählen will. Es soll keine große Abhandlung über den Sinn des Lebens sein und er soll auch nicht das Genre neu definieren. Wie gesagt, es soll mehr eine spannende und gut zu lesende Geschichte sein.
Der Prolog ist halt jetzt "nur" ein Prolog mit entsprechend wenig Handlung. Aber das kommt dann schon noch.
Kommentare und vor allem Kritik sind auf jeden Fall erwünscht
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Das Vermächnis von Mawa - Das Geheimnis der Totenköpfe
Prolog
„In einem Loch im Boden lebt ein …“, Galeo unterbrach seine Erzählung.
„Was? Was lebt in einem Loch im Boden?“, ertönte von hinten eine Stimme.
„Ben, jetzt komm endlich raus! Wenn du ständig wartest und irgendwelchen Raupen beim nicht vorhandenen Wachsen zuschauen willst, dann ist jetzt nicht die rechte Zeit dafür!“
„Ja ja, schon klar. Und du machst natürlich immer genau das, was wir eigentlich tun sollten. Du weißt schon, dass wir Holz sammeln sollen?“, Ben setzte einen dieser fragend- skeptischen Blicke auf, die Galeo hasste.
„Ja!“, antwortete er und schaute betreten auf den Boden. Eigentlich hatte er seiner Mutter gar nicht mehr zugehört, da war er schon aus dem Haus und Richtung Wald gelaufen.
„Nun sag schon, was lebt denn nun im Boden in einem Loch?“
„Na, ein Hob!“
„Was ist ein Hob und wie geht die Geschichte weiter?“
„Ein Hob ist ein Hob und was die Geschichte betrifft… ich glaube nicht, dass ich sie dir jetzt erzählen will. Sie scheint mir hervorragend zu sein, aber leider ist sie sehr alt.“
Ben öffnete zwar den Mund, um etwas zu erwidern, überlegte es sich aber anscheinend doch wieder anders und ging schweigend neben Galeo tiefer in den Wald hinein.
Es war noch früh am Morgen des 25. März. Im nördlichen Teil des Königreichs Herean, namentlich in Astako und ganz genau genommen im angrenzenden Vergessenen Wald, war der laubbedeckte Boden noch mit einer zarten Schneehaube bedeckt. Nur hier und dort, wo ein wenig Sonne der vergangenen Tage sich den Weg durch das dichte Blättergeflecht gebahnt hatte, war das braun-gelbe Laub vieler vergangener Herbste zu erkennen.
„Verdammt. Es ist schweinekalt“, schnaufte Galeo.
Tatsächlich war es für den Norden des Landes nicht ungewöhnlich, dass im März noch eine leichte Schneeschicht den Boden bedeckte. Doch die Kälte dieser Tage hatte selbst für diese hart gesottene Region etwas Fremdes. Der Schnee auf den Ästen drückte die Bäume herunter, was sie noch bedrohlicher aussehen ließ, als dass dies im Wald eh schon der Fall war. Ben jedenfalls machte dieser Wald bei Zeiten Angst. Obwohl er jede Woche viele Stunden in ihm zubrachte, um Holz und Nahrungsmittel zu besorgen, konnte ihn hier von einer Sekunde auf die nächste die blanke Furcht packen. Der Wald war zum größten Teil der Ernährer Astakos und es schien Ben, dass die Bäume sehr wohl um ihre wichtige Rolle für die Menschen wussten und dass sie sie nur zu gern in vollem Maße auskosteten, indem sie die Menschen von Zeit zu Zeit erschreckten. Ja, Ben würde sagen, dass der Wald lebe… und Galeo würde Lachen. Vermutlich hatte er Recht. Galeo pflegte zu sagen: „Bis ich die Bäume nicht wandern sehe, werde ich diesen Unfug nicht glauben“ und bis heute hatten sich die Bäume nicht bewegt. Zumindest nicht in Gegenwart von Ben und Galeo oder irgendwem sonst aus dem Dorf.
Nicht nur ihre Familien waren abhängig von diesem Wald, sondern förmlich jeder im Dorf. Astako lag fern ab von allen Straßen und Handelswegen des Königreiches. Wollte man es freundlich formulieren, könnte man sagen, die Menschen führten ein beschauliches Leben in sehr naturnaher Umgebung. Was manch einer wohl als wunderschön bezeichnen würde, war allerdings in der Realität ein hartes Leben, oft genug gekennzeichnet durch die Angst ums Überleben. Da eben Jenes vornehmlich durch den großen, im Südwesten an das kleine Dorf angrenzenden Wald gesichert schien, respektierten die Bewohner die Eigenheiten der Bäume. Ging man in den Wald, so tat man dies würdevoll und ruhig und man besorgte sich nie mehr, als es notwendig war. Das war eine Faustregel, deren Verletzung drastische Folgen haben konnte, wie die Vergangenheit des Öfteren gezeigt hatte. Auch wenn Galeo den Bäumen kein Leben zusprechen wollte, so war es nicht zu verleugnen, dass der Wald ein Eigenleben zu führen schien und auch über die Tiere in gewisser Art und Weise herrschte. Denn es war vorgekommen, dass, nachdem einige gierige Menschen des Dorfes zu viel gewildert hatten, wochen- ja monatelang kein Tier zu finden war. Zumindest war es so, wenn man den Geschichten der alten Frauen Glauben schenken wollte.
„Hey, Ben, sieh mal dort!“, Galeo schien ganz entzückt vor Freude. Vor Aufregung zitternd zeigte er nach rechts ins tiefe Unterholz.
„Wow… Galeo, das ist der blanke Wahnsinn. Da ist…Schnee!! Und…Bäume!“, Ben schlenderte weiter. Er hatte Galeos Euphorieausbrüche noch nie verstanden. Er wäre wahrscheinlich auch mit einem Wobalt völlig aus dem Häuschen zu bekommen. Dabei hatten sich diese kleinen, wuseligen Tierchen, die den ganzen Tag anscheinend nichts als hektisches Putzen zu tun hatten, schon zu einer kleinen Plage ausgeweitet. Sie kamen aus dem Wald ins Dorf und putzten sich dort. Und wahrlich, Ben hasste es.
„Galeo? Kommst du? Vergiss den Wobalt! Du kannst ihm im Dorf bei seinen ekelhaften Putzversuchen zuschauen! Wir brauchen das Holz!“
„Wobalt? Nein, nein. Wobei… Das wäre auch nicht schlecht. Wo du letztens schreiend davon gerannt bist, als der eine seinen….“, Galeo gluckste vergnüglich.
„GALEO!“
„Ja, schon gut. Aber das ist es nicht! Schau doch mal näher!“, Ben konnte ein verräterisches Blitzen in Galeos Augen erkennen. Es verriet nichts Gutes.
Ben war umgekehrt und lugte nun noch einmal genauer in das Unterholz. „Siehst du es?“ Tatsächlich, ein langbeiniger, schlanker Körper war im schwachen Licht der verhüllten Sonne auszumachen. „Du willst doch wohl nicht…?“ Vorwurfsvoll wanderte Bens Blick zu Galeo. Dieser grinste nur weiter verschmitzt. Galeos Hände wanderten an den Rücken.
Jetzt ist er vollkommen durchgeknallt, dachte Ben. Aufzuhalten war er auch nicht mehr. Aus eigener, leidlicher Erfahrung wusste Ben, dass Galeo, sobald er einen Bogen in Händen hielt, nicht zu bremsen war. Er war das, was Ben als „Freak“ bezeichnen würde. Ben liebte es eigene Worte zu erfinden, für einen Umstand, den die althergebrachte Sprache nur unzureichend zu beschreiben vermochte. Und eben jenes „Freak“, was wohl am besten mit „fanatisch“ zu übersetzen wäre, passte so perfekt auf Galeo, dass Ben sich selbst auf die Schulter hätte klopfen können. Galeos Vorliebe für den Bogen war so groß, wie eben sein Bogen, den er um das Schwert machte. Ben vermutete ja, dass es daran lag, dass Galeo als Kind mit dem Schwert gespielt hatte und es ihm dabei den rechten, kleinen Zeh abgetrennt hatte. Auch wenn sein Freund dem sicherlich nie zugestimmt hätte, so bezeichnete er sich selbst doch immer wieder zu gern als „körperlichen Krüppel“. Jedenfalls war er Jahre danach mal mit einem der wenigen Reisenden ins Gespräch gekommen und der hatte ihm von seinen Bögen erzählt, die er herstelle. Galeo war davon hin und weg gewesen und hatte davon ausgehend seine Liebe zum Bogen gefunden. Heute nahm er seinen ersten selbst geschnitzten Bogen überall mit hin, auch dorthin, wo er ihn natürlich nie brauchte. Im Prinzip brauchte er ihn nämlich eigentlich gar nicht. Aber er war stolz darauf, dass er bereits mit jungen sechzehn Jahren einen tadellosen Eschebogen hatte bauen können. Der jetzt drei Jahre alte Bogen hatte nur wenig von seinem alten Glanz behalten. Es war lediglich ein abgenutztes Stück Holz, gespannt durch eine schmierige Hanfschnur, die nicht einmal richtig spannte. Aber er war stolz darauf. Nur würde er damit niemals ein Tier auch nur ansatzweise treffen. Das war Ben sehr genau bewusst, sodass er die folgende Szene mit völliger Gelassenheit und einem hämischen Grinsen im Gesicht hinnahm. Das Reh war so sicher, wie es nur eben ging in einem Wald.
Galeo, im Schnee sanfte Fußspuren hinterlassend, verließ den sich windenden Pfad und machte einige langsame Schritte auf das Reh zu. Dieses fraß noch immer völlig unbekümmert an der nassen Rinde eines Baumes, an der der Schnee durch die wenigen Sonnenstrahlen erwärmt worden war. Sein Ohr zuckte nervös. Galeo hielt inne.
Das sieht derartig dämlich aus, dachte Ben, dass er es wirklich ernst meinen muss. Er überlegte kurz, ob er nicht einfach mal eine dumme, aber vor allem laute, Frage an Galeo stellen sollte, damit das Reh aufmerksam wurde. Er entschied sich dann aber doch dagegen, weil er in Galeos Unvermögen grenzenloses Vertrauen hatte. Dieser tat nun einige weitere Schritte, wobei er mit den tief hängenden, toten Zweigen einer alten Tanne kämpfte. Diese brachten ihn schließlich leicht aus dem Gleichgewicht. Er drohte hinterrücks auf seinem Allerwertesten zu landen, doch in letzter Sekunde krallten sich seine Hände an den Stamm und er konnte einen Sturz und den unweigerlich folgenden Lärm verhindern. Erleichtert seufzte er einmal tief und machte einen Schritt nach vorn, um sich sicheren Halt zu geben. Dabei verfing sich jedoch sein Bogen in den oberen Zweigen, was einen Nadelregen für Galeo bedeutete, der daraufhin unvermittelt aufjohlte. Das Reh hob kurz den Kopf obgleich des Lärms und machte sich postwendend davon. Galeo jaulte auf und setzte kurz entschlossen dem Reh nach.
Ich hätte es wissen müssen, dachte Ben. „Galeo! Warte verdammt noch mal!“ Und schon war er ins Unterholz gesprungen und hechtete von einem freien Platz zum nächsten. Zweige, Nadeln und Schnee stürzten auf ihn ein, doch er ließ sich nicht beirren. Abseits der Wege war es im Wald durchaus nicht ungefährlich und er wollte, wenn es eben ging, noch mehr Unannehmlichkeiten heute vermeiden. Und Galeo allein irgendwo im Wald war mit Sicherheit eine solche Unannehmlichkeit. „Eins muss man ihm lassen… Rennen kann er“, stöhnte Ben. „Galeo! Wa(aaha)rte!
Ben blieb stehen. War das nicht gerade ein Schrei gewesen? Er konnte auch Galeos lautes Durch-den-Wald-Poltern nicht mehr hören. Nun ging er vorsichtig weiter voran, bis er ein Wimmern vernehmen konnte. „Galeo?“
„Ich bin hier. Hilfe!“, die Stimme zersprang fast vor Selbstmitleid.
„Wo?“, es war niemand zu sehen. Im Wald herrschte nach dem Aufruhr nun absolute Stille. Sogar die Vögel schienen ihr Lied über dem Spektakel vergessen zu haben.
„Na, hier unten du Trottel! Ich bin in diese Mördergrube gefallen!“
Noch ein paar Schritte und Ben konnte ihn sehen, wie er da in sich zusammen gesunken mit verkreuzten Beinen dasaß und in seinen Händen einen zerbrochenen Bogen hielt.
„Was fällst du auch immer in irgendwelche Löcher? Schau, jetzt hast du deinen Bogen zerbrochen. Wäre es wenigstens irgendein wichtiges Körperteil gewesen.“
„Sehr witzig! Ich lache dann nachher. Immerhin wohne ich nicht darin….Hey, was ist denn das?“, Galeo warf den in zwei Teile zerbrochenen Bogen beiseite und warf sich nach vorn. Auf allen Vieren krabbelte er einige Ellen und schob ein paar braune Blätter beiseite. Plötzlich hielt er ein frühlingsgrünes Blatt in Händen.
„Wie kann das sein? Grün? Noch kein Baum hat seine ersten Blätter in diesem langen Winter?“, warf Ben skeptisch, aber höchst interessiert ein.
„Es ist kein Blatt“, flüsterte Galeo. „Schau nur! Es ist rund und flach. Da sind kleine Verzierungen und Zeichen in einer Sprache, die ich nicht verstehe.“
Ben kletterte in die etwa vier Ellen tiefe „Mördergrube“, wiegte das Ding in seinen Händen und betrachtete das grüne Etwas ebenfalls näher. „Nein, die Zeichen kann ich auch nicht lesen. Sie haben keinerlei Ähnlichkeiten mit einer unserer Sprachen. Ob es wohl wertvoll ist?“
„Keine Ahnung! Aber ich nehme es mit. Es kann auf jeden Fall nicht schaden!“