Hier nun mein Bericht von einem tollen Tag.
Seit langem hegte ich ich ja den Wunsch, mal meine wahren Flugkünste zu testen und seit ich wusste, dass man einen Tandemflug mit dem Fallschirm buchen kann, kreisten meine Gedanken darum. Im letzten Jahr schenkte mir Mr. Heaven einen Gutschein der diesen Traum endlich wahr werden lassen sollte. Aber Termine, Arbeit und Wetter schoben es vor sich hin.
Doch gestern war es endlich so weit.
Jeder der davon hörte unkte immer rum, ob ich lebensmüde sei, ob ich meine Lebensversicherung schon auf jemanden übertragen habe, ob mir klar ist, dass der Fallschirm vielleicht klemmt.......
Aber nichts konnte meine Freude darauf bremsen. Und ich verspürte keinerlei Angst bei dem Gedanken.
Also ging es morgens ab nach Gransee auf den Flugplatz. Ein bisschen Bauchkribbeln hatte ich schon, aber mehr aus Vorfreude und Erwartung auf den Moment, wo ich dann doch dachte: Bist du verrückt???
Dort wurde ich sehr freundlich und familär begrüßt, bekam das obligatorisdche Schriftstück, wo ich über meinen Gesundheitszustand im groben und meine Sprungtauglichkeit Auskunft geben sollte. Natürlich mit dem Hinweis, dass es mir klar sein muss, dass sich nicht nur Fallschirm 1, sondern auch Nr.2 nicht öffnen kann und nur begrenzte Haftung übernommen wird. Aber auch dies entlockte mir nur ein "na toll".
Dann ging es ab in die Halle, wo wir schicke Overalls bekamen und die Einweisung nebst kleiner Turnübungen (liegen auf dem Bauch, @rschbacken zusammen, Hohlkreuz und Beine hoch :grin), sowie die Hockstellung zur Landung erklärt wurde. Da ich mich schon länger damit beschäftigt hatte war es mir nicht neu und ich wartete auf den Haken an der Sache. Aber nix.
Natürlich wollte ich vom Sprung auch einen Film haben und wurde dann meiner netten und super aufheiternden Kamerafrau und meinem "Tandem-Master" (der Herr dann in meinem Hinterhalt :grin) vorgestellt. Trotz humorvoller Sprüche wie "die Freundin sei ihm heute weggelaufen, das Auto gestohlen, Haus abgebrannt, aber seit er die starken Pillen genommen hatte ginge es ihm besser", machten beide ein sehr kompetenten und vertrauenswürdigen Eindruck und somit noch immer kein Gefühl der Bange. Aber ich war überzeugt, so kann das nicht bleiben, irgendwann kommt es, ganz bestimmt........
Das kleine Propellaflugzeug kam heran und mit mir, meinem Team, das eines weiteren Tandemspringers und mehrere Einzelspringer, stiegen wir inzwischen mit Gurten verpackt und geschnürt ein.
Dicht an dicht saßen dann 14 Sprungwillige auf dem Boden der Maschine in grätschender Zweierreihe und die Maschine starte mit uns gen 4000m steil in den Himmel. Dass wir alle mit dem Rücken zum Piloten saßen, mit den Füßen zu einer Art Jalousietür verschlossenen Ausstiegsluke, machte noch immer keine Bange.
Stille. Nur der Motor war zu hören. Die Einzelsspringer durchdachten teilweise wohl noch ihren Formationsflug, die beiden Kameraleute filmten, mal nach draussen, mal uns, das Team...... Ich sah hinaus wie wir immer höher stiegen. Auf dem Arm meines hinter mir plazierten "Masters" sah ich den Höhenmesser. Erst 2500m. Ein herrlicher Blick in den sonnigen Himmel. Kleine Schäfchenwolkenformation senkten sich langsam unter uns. Ob wir vielleicht sogar durch die Wolken fallen werden? Wäre sicher toll.
Ich sah zum Fenster heraus, fand das noch immer alles toll und wartete auf das mulmige Gefühl.......
Bei 3500m hieß es Mützen auf, beim "Master" auf dem Schoß platzieren damit der dann die Sicherungshaken einklinken konnte. "Na, noch immer Lust?" meinte er hinter mir. "Ja!", sagte ich und dachte: "Spätestens wenn die Luke aufgeht, dann muss doch mal ein Gefühl von Unsicherheit kommen" Ganz nebenbei merkte ich auf Grund unserer Nähe, dass sein Herz schneller als meines klopfte.
Bei 4000m angelangt, hatte man das plötzliche Gefühl der Flieger hält und und steht in der Luft.
Die Jalousie ging hoch und die Formationsspringer drängten dicht aneinander und an den Kleidergriffen verbunden zur Öffnung. Ich war erstaunt, dass es gar nicht soooo windig schien wie man in Flugzeugkatastrophenfilmen immer den Eindruck hatte. Auf Kommando ließen sich die Ersten aus dem Flieger fallen, mein Blick hinterher.
Dann war ich dran. Im Doppelpack rutschen wir gen Ausgang. Vor mir ist meine Kamerafrau raus, hing aussen am Flugzeug um auch wirklich jeden Moment festhalten zu können. Mein Master saß auf der Kante und ich........... hing nicht mal mit ner halben Pobacke auf der Kante,Beine baumelten schon draussen. Rücken zum Hohlkreuz geformt und mein Blick ging in die Tiefe. Noch immer keine Angst. Nein, ich wollte nun endlich raus. Denn vor mir tat sich ein, trotz starker Windgeräusche, wunderschönes ruhiges Bild auf. Kopf nach hinten und schon kippten wir raus.
Eine Zehntelsekunde brauchte ich zur Orientierung und dann schwebten wir abwärts. Kein Überschlag oder so, sauber wie zum Bauchklatscher. Die Kamerafrau folgte uns auf dem Fuße und konnte mittels "Spannflügel" wie ein Flughörnchen das Tempo mit uns halten.
Geil! Einfach nur geil!!!!! Man fühlt sich fest verschnürt und wie auf einem Luftpolster liegend. Kein Vergleich mit Achterbahn fahren!!! Viel schöner!!! Man merkt das Tempo gar nicht so, weil nichts an einem wie beim Autofahren zB vorbeirast. Die Kamerafrau immer uns gegenüber in Augenhöhe. Sie winkt und ich reisse die Arme zum Gruß und vor Freude hoch. Kostet zwar etwas Mühe, aber es geht.
Nach 50 sec. meint mein Master, dass er den Fallschirm zieht. Ein Zeichen an die Kamera und schon ruckt es in den Gurten, sie fällt tiefer und wir fliegen viel langsamer dahin.
Es ist nun so ruhig im Himmel, dass wir uns unterhalten können. Er ist begeistert das ich so viel Vergnügen habe, keinerlei Angst verspüre, meine Sache prima mache und erlaubt mir (entgegen der Einweisung) nach oben zu greifen und die Gurte des Fallschirms selbst zu führen.
Die schrägen Kurven, mal nach links, mal nach rechts, machen mir nun aber doch ein leicht flaues Gefühl im Magen. Annähernd wie in einem Rummel-Twister den ich eigentlich nicht so ab kann.
Ich schaue nach unten und sehe wie wir uns langsam der Erde nähern und Mr. Heaven unten mit der Kamera Bilder macht und uns zuwinkt.
Dann eine saubere Landung, eine Umarmung samt dickes Lob von Master und Kamerafrau. Verbunden mit dem Hinweis, ich könne doch wiederkommen, so jemanden mit viel Spass und ohne Ängste gibt es selten. Irgendwann könne ich dann auch Tandem-Masterin machen.
Und mein Dauergrinsen hielt an. Vom Absprung bis zum späten Abend. Während ich das hier schreibe setzt es wieder ein.
Ein wunderbares Erlebnis! Ich kann es nur empfehlen. Viel schöner und leichter als ich dachte. Ein tolles Gefühl.
So, ein paar Bildchen setze ich noch dazu:
1. der Kurs
2. der Einstieg und der Rest, wie mich langsam die Erde wieder hat.