Kurzbeschreibung:
Sir Alfred Dreyfus, ehemals erfolgreicher Schulleiter, soll einen Schüler ermordet haben und verbüßt eine lebenslange Haftstrafe. Durch den aufsehenerregenden Prozess angezogen, möchte ein Verlag, dass er seine Geschichte aufschreibt. Er willigt ein und beginnt die Niederschrift: „Ich brenne darauf, loszulegen. Ich bin fast erregt. Es wird wie eine Entdeckungsreise sein.“ Ist Dreyfus wirklich der, für den er sich zeit seines Lebens ausgab? Sitzt ein brutaler Mörder hinter Gittern, oder wurde der Schulleiter Opfer von Verschwörern, die ihn aus dem Weg haben wollten? In seiner Geschichte deckt Dreyfus die Umstände auf, die zu seiner Verurteilung führten, und findet gleichzeitig zu sich selbst zurück.
Über die Autorin:
Bernice Rubens wurde 1928 als Tochter russischer Einwanderer im walisischen Cardiff geboren. Sie studierte Anglistik an der Universität von Wales, wo sie derzeit einen Lehrauftrag hat. Seit 1961 hat sie 21 Romane veröffentlicht und bekam für ihren Roman „Es geschah in einer Seitenstraße“ den renommierten Booker-Preis.
Meine Meinung:
Sir Alfred Dreyfus ist ein ehrgeiziger Mann, der es sich zum Ziel gemacht hat, der Schulleiter der besten Schule Englands zu werden. Als er sein Ziel erreicht hat, bringt ihn der Verdacht und das anschließende Urteil Mord an einem Schüler lebenslang ins Gefängnis. Die Möglichkeit, seine Geschichte aufzuschreiben ist für ihn mehr, als der feindlichen Gesellschaft seine Sicht der Dinge aufzuzeigen, sie wird zu einer Reise in die längere und kürzere Vergangenheit und zu einer Chance, sich selbst neu zu finden.
Eine außergewöhnliche Art einen Krimi zu schreiben, aber außergewöhnlich ist auch die ganze Geschichte. Der Name Dreyfus ist nicht zufällig gewählt, und dennoch soll diese Geschichte keine Kopie historischer Ereignisse sein, sondern eine eigene und das ist sie auch, trotz der auffälligen Parallelen. Bernice Rubens hat eine eigenwillige Erzählweise gewählt: Abwechselnd liest der Leser das Manuskript, das Dreyfus in seiner Zelle in der Ich-Form schreibt und den aktuellen Versuchen seines Bruders „draußen“, eine Wiederaufnahme des Verfahrens durchzusetzen. „Ich, Dreyfus“ ist mehr als ein Krimi, es ist eine Auseinandersetzung mit der eigenen und der europäischen Vergangenheit, mit der eigenen Identität und den Vorurteilen und Empfindungen der heutigen Gesellschaft. Ein spannender Lesegenuss, der zum Nachdenken anregt!