ZitatOriginal von Solas
Übersprungshandlungen? Irgendwie stehe ich gerade voll auf dem Schlauch, was meinst du damit?
Wenn sich der Eindruck verstärkt, es wird gerade emotional, verlegst du dich auf kurze Beschreibungen des Umfeldes oder scheinbare Belanglosigkeiten oder wechselst das Thema. Bsp: S. 84f., Sophies Begegnung mit Lemaire, da ist es sehr stark.
ZitatWas die Religion angeht, hast du Recht – da war ich mir selbst im Weg, soll heißen: sie ist nicht präsent, weil sie mir nicht präsent genug war, zumindest anfangs. Etwas an Bedeutung gewinnt die Religion nämlich im Lauf des Romans, denn für die Landbevölkerung war sie wichtig, bot Halt und Sicherheit (besonders auch angesichts solcher Veränderungen).
Andererseits hatte gerade die römisch-katholische Kirche aufgrund ihrer politischen Universalität ein großes Problem -- du erzählst das ja später am Beispiel des Pfarrers.
Was Jules angeht: Er ist quasi von Natur aus ein Beobachter, auch sein Fenstersturz ist die Folge seines Beobachtens. Er hält sich zurück, die Behinderung und die Ablehnung des Vaters verstärken seine Isolation, aber es hätte nicht so laufen müssen. Zu beobachten und im Laufe der Zeit seine Schlüsse zu ziehen, das entspricht einfach seinem Wesen. Ich würde das nicht als "blaß" bezeichnen, aber durch die wechselnden Perspektiven gerät Jules m.A.n. immer wieder in den Hintergrund.
Er hat Ähnlichkeit mit Grass' Oskar Matzerath -- allerdings ist Die Blechtrommel durchgängig aus der Perspektive Oskars geschrieben (samt seinen Spekulationen), was dem kleinen Trommler ganz klar die Hauptrolle zuteilt. Das hast du nicht gewollt.