'Die Farbe der Revolution' - Seiten 007 - 136

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    Original von Solas
    Übersprungshandlungen? Irgendwie stehe ich gerade voll auf dem Schlauch, was meinst du damit?


    Wenn sich der Eindruck verstärkt, es wird gerade emotional, verlegst du dich auf kurze Beschreibungen des Umfeldes oder scheinbare Belanglosigkeiten oder wechselst das Thema. Bsp: S. 84f., Sophies Begegnung mit Lemaire, da ist es sehr stark.


    Zitat

    Was die Religion angeht, hast du Recht – da war ich mir selbst im Weg, soll heißen: sie ist nicht präsent, weil sie mir nicht präsent genug war, zumindest anfangs. Etwas an Bedeutung gewinnt die Religion nämlich im Lauf des Romans, denn für die Landbevölkerung war sie wichtig, bot Halt und Sicherheit (besonders auch angesichts solcher Veränderungen).


    Andererseits hatte gerade die römisch-katholische Kirche aufgrund ihrer politischen Universalität ein großes Problem -- du erzählst das ja später am Beispiel des Pfarrers.


    Was Jules angeht: Er ist quasi von Natur aus ein Beobachter, auch sein Fenstersturz ist die Folge seines Beobachtens. Er hält sich zurück, die Behinderung und die Ablehnung des Vaters verstärken seine Isolation, aber es hätte nicht so laufen müssen. Zu beobachten und im Laufe der Zeit seine Schlüsse zu ziehen, das entspricht einfach seinem Wesen. Ich würde das nicht als "blaß" bezeichnen, aber durch die wechselnden Perspektiven gerät Jules m.A.n. immer wieder in den Hintergrund.
    Er hat Ähnlichkeit mit Grass' Oskar Matzerath -- allerdings ist Die Blechtrommel durchgängig aus der Perspektive Oskars geschrieben (samt seinen Spekulationen), was dem kleinen Trommler ganz klar die Hauptrolle zuteilt. Das hast du nicht gewollt.

  • Zitat

    Original von Ines
    Pelican


    nein, diese Szene meine ich nicht. Ich möchte hier auch nicht näher darauf eingehen, weil mein Eindruck wirklich sehr subjektiv ist.


    Das ist ok. Ich hatte nur nachgefragt, weil das für mich eine Szene war, wo ich zunächst den Gedanken hatte "Mensch, da muß doch jetzt noch was kommen". Erst im weiteren ist mir dann klar geworden, daß die Szene genau so enden mußte.

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    Original von Iris


    Was Jules angeht: Er ist quasi von Natur aus ein Beobachter, auch sein Fenstersturz ist die Folge seines Beobachtens.


    Schön gesagt. Für mich ist er jemand, der alle Eindrücke aus seiner Umwelt aufsaugt wie ein Schwamm, der denkt, versteht - und letzten Endes in einer eigenartigen Hilflosigkeit erstarrt.


    Solas, lacht sich jetzt vielleicht kaputt über meine "Hineininterpretiererei". :grin

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    Original von Ines
    Auch das Bild des Ballons gefällt mir gut. Und dabei wiederum besonders, welche Bedeutung dieses Ballonbild, dieses "fliegen können", für die einzelnen Personen hat.


    Witzigerweise habe ich auch erst über dieses Buch einen Zusammenhang zwischen der Entwicklung der Flugtechnik und Geschichte hergestellt. Ich kann grad nur schwer ausdrücken, was ich meine. Klar wußte ich, daß die ersten Ballonflüge zu dieser Zeit stattfanden. Aber es war reines Faktenwissen ohne Wahrnehmung dessen, daß dies zwingend mit dem Zeitgeist zu tun hatte. (oh je, oh je, ich glaub' ich kann es nicht rüberbringen).

  • Pelican ,


    ich spekuliere jetzt mal ganz, ganz wild und bin sicher, dass mich die anderen Autoren gleich eines Besseren belehren werden. Aber trotzdem: In einem Gespräch gestern mit der Autorin Sandra Wöhe kamen wir auf Metaebenen zu sprechen.
    Wir waren und sind beide der Meinung, dass jeder Roman eine Metaebene hat, von der nur der Autor etwas weiß, aber selbst dieser nicht immer. Manchmal blitzt sie durch; Özdogan hat so etwas ähnliches in seinem Thread bemerkt.
    Für mich gehören Jules und das Ballonbild in die Metaebene. Damit will ich sagen, dass Solas (bitte, Solas, verzeih und verbessere mich) vielleicht selbst gar nicht so genau geplant und gewusst hat, was so alles in Jules steckt und was so alles im Ballonbild steckt.
    Ich vermute das deshalb, weil Solas diese Ebene mit keinem Wort erwähnt hat.
    Die Metaebene steht zwischen den Zeilen; und jeder Leser liest darin etwas anderes.


    Oh je, das liest sich ja wirr. Weißt du trotzdem, was ich meine?

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    Original von Ines
    Oh je, das liest sich ja wirr. Weißt du trotzdem, was ich meine?


    Das liest sich überhaupt nicht wirr. Jeder, der ernsthaft schreibt, weiß sehr genau, was du meinst.


    Und die reinen Unterhalter berauben sich des köstlichsten Vergnügens ... :lache

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    Original von Iris
    Wenn sich der Eindruck verstärkt, es wird gerade emotional, verlegst du dich auf kurze Beschreibungen des Umfeldes oder scheinbare Belanglosigkeiten oder wechselst das Thema. Bsp: S. 84f., Sophies Begegnung mit Lemaire, da ist es sehr stark.


    Hm, stimmt. Manchmal mache ich das bewusst, aber nicht immer.


    Liebe Grüße


    Solas :wave

  • Zitat

    Original von Ines
    Für mich gehören Jules und das Ballonbild in die Metaebene. Damit will ich sagen, dass Solas (bitte, Solas, verzeih und verbessere mich) vielleicht selbst gar nicht so genau geplant und gewusst hat, was so alles in Jules steckt und was so alles im Ballonbild steckt.
    Ich vermute das deshalb, weil Solas diese Ebene mit keinem Wort erwähnt hat.
    Die Metaebene steht zwischen den Zeilen; und jeder Leser liest darin etwas anderes.


    Oh je, das liest sich ja wirr. Weißt du trotzdem, was ich meine?


    Nö, liest sich nicht wirr. Ich habe auch bestimmt nicht alles genau geplant oder von vornherein gewusst, was in Jules oder dem Ballonbild steckt. Der Ballon war mir wichtig und Jules hat sich einfach entwickelt - übrigens recht anders als er mir zuerst vorschwebte. Das macht das Schreiben aber auch spannend, das man eben nicht immer alles weiß.


    Liebe Grüße


    Solas :wave

  • Hallo,


    Ich bin nun auch endlich soweit um etwas schreiben zu können. Leider hatte ich in den letzten Tagen nie viel Zeit und komme daher viel langsamer voran als es mir lieb ist.


    Der Schreibstil gefällt mir sehr gut. Man erfährt langsam was die einzelnen Charaktere zu dem gemacht hat, was sie heute sind. Das gefällt mir sehr gut, da ich mir mittlerweile die einzelnen Personen sehr gut vorstellen kann. Durch den schnellen Wechsel bleibt man allerdings immer in der Beobachterrolle. Das hat mich anfangs ein wenig gestört, mittlerweile gefällt es mir aber auch gut, da man dadurch auch auf andere Sachen genauerer achtet.


    Die Beschreibung der Zeit gefällt mir auch sehr gut. Man kann sich wirklich hineinversetzen in das Denken der damaligen Zeit. Gerade durch die Ballongeschichten kommt das gut zur Geltung.


    Jetzt bin ich schon gespannt wie es weitergeht. Wir kommen der Revolution ja bereits mit großen Schritten näher und deswegen werde ich jetzt meine Lesezeit voll ausnützen gehen.

  • Ich mag ja die detailgetreue Wiedergabe der Zeit, die ich mir so deutlicher vor Augen führen kann. Kopfkino sozusagen.


    zu Jules und Cecile: das sie sich auf diese Hochzeit einliessen, finde ich nicht verwunderlich, dass ordne ich den herrschenden Konventionen der Zeit zu. Ebenso die zurückhaltenden Verhaltensweisen, insbesondere von Jules. Am Anfang war ich von so viel fehlender Aufmüpfigkeit gegen den Vater schon ein wenig erbost, aber in Erinnerung an damalige Erziehung und (wie schon geschrieben) die Konventionen wird es mir schlüssig. Und dass in der Vergangenheit nicht alle Frauen zum Rundumschlag angesetzt haben möchte ich zwar gerne ab und an vergessen, ist aber leider allzu wahr. Bleibt mir hier nur der Trost, dass in Romanen und Realität die Damen eben auf andere, vielleicht hintergründige Art, die Welt mitbestimmten.


    zu Sophie: ich bin nicht über ihre Sprachfähigkeiten gestolpert, weil ich denke, Kinder entwickeln sich individuell. Es soll ja angeblich welche geben, die mit 4 schon ganze Bücher in Originalsprachen lesen (bevorzugt lateinische und griechische Philosophen) und mit 6 ihre ersten Gedichte oder Romane verfassen. Gegen solche Exemplare ist Sophie ja richtig hinterher.


    Was mir allerdings massiv ins Auge sprang: die laufende strickende Bäuerin. Wie macht sie dass bloss. Und Warum? Warum? ;-)


    Liesbett

  • So, nun bin ich auch endlich wieder da. Ich kann das nicht so schnell wie ihr, bin erst auf Seite 295. Und find's schwierig, meine Eindrücke zu beschreiben... dazu dann im nächsten Teil mehr.


    Mein Eindruck über die Sprache hat sich inzwischen etwas gewandelt, ich finde sie nicht mehr so verschachtelt wie am Anfang; nun frage ich mich, ob das daran liegt, dass ich mich einfach eingelesen habe, oder daran, dass sie im Verlauf des Buches wirklich linearer geworden ist? Eine Wertung will ich mit beidem nicht verbinden, mir fällt es nur subjektiv auf.


    Aber eine banale Sprach-Detail-Verständnisfrage habe ich zu diesem Teil:


    S. 98. "Wie lange war man Teil einer Familie?" Was heisst das?? Der Absatz ist mir einfach nicht klar, erst ab "Alles in seiner Welt war vergänglich gewesen" steige ich wieder ein. Heisst es also "So viele Monate lang war Pierre Teil der Familie Montfort gewesen, doch nun..."?

    Surround yourself with human beings, my dear James. They are easier to fight for than principles. (Ian Fleming, Casino Royale)

  • Ich habe denn ersten Teil noch nicht ganz durchgelesen hoffe aber das ich heut noch dazu kommen werde.


    Das Cover find ich sehr schön. Der Anfang des Buches fesselt ein sofort.... Die Sprach/Ausdruck find ich sehr schön geschrieben/gewählt...


    Wenn man das Buch nächsten Tag mal nicht zur Hand nehmen konnte, kommt man aber wieder ganz schnell rein in die Geschichte ..... (Komme zur Zeit nicht jeden Tag zum lesen durch meine Weiterbildung :cry)


    Bin schon ganz gespannt wie es mit Sophie so weitergeht... :-) Freue mich auch immer wenn ich Zeit habe, das ich weiterlesen kann....

  • So, das ist jetzt mein 10. Versuch - seit gestern - mich anzumelden, dieses Mal scheint es ja zu klappen.


    Hallo Mondstein100,
    schön, von dir zu hören. :-) Wenn du Fragen hast, nur zu. Ich habe an anderer Stelle schon mal geschrieben, das ich ein Glossar erarbeitet hatte, was nicht im Buch gelandet ist. Wenn du willst, kann ich dir das auch zur Verfügung stellen. Das ist aber eher ab dem zweiten Teil relevant.
    Nun erstmal viel Spaß bei der Weiterbildung und trotzdem genügend Zeit zum Lesen.


    Liebe Grüße
    Solas :wave



  • Danke Solas, wäre gerne an ein Glossar interessiert...


    Bin auch gestern mal wieder zum lesen gekommen und werde jetzt auch noch gleich weiterlesen... Aber gestern musste ich mir mal einen Duden zur Hand nehmen und ein Wort nachschlagen was für eine Bedeutung das Wort hat... kannte dieses Wort vorher noch nicht....



    Auch wird einem die Zeit um 17hundert schön beschrieben. Bin schon ganz gespannt wie es mit Sophie weitergeht...


    LG Sonja (Mondstein100)

  • *klopf*


    ähm.. ja, also ich ... ich lese derzeit auch noch an dem Buch ...


    Bin etwas spät, aber dafür mittendrin


    Diesen Part habe ich vor dem Wochenende beendet gehabt und ich habe irgendwie meine Probleme mit Pierre und Daniel.Keine Ahnung wieso, aber ich verwechsele die beiden ständig.. Weiß der Geier wieso.


    Sophie gefällt mir sehr gut, auch Jules. Cecile kommt mir etwas unterkühlt vor, aber ich kann sie verstehen. Schließlich wurde sie zur Heirat gezwungen und hat nur eine einzige Aufgabe.
    Aber so war es nunmal.


    Ich habe nach diesem Part schon festgestellt, dass das Buch noch von einer weiteren Person gelesen werden wird. :-]


    ich versuche nun etwas schneller zu lesen, was mir zur Zeit leider schwer fällt... beruflich habe ich sehr viel um die Ohren ;-(