Apfelmädchen - Tina N. Martin (Kommissarin Lind ermittelt, Band 1)

  • Apfelmädchen - Tina N. Martin

    Kommissarin Lind ermittelt, Band 1

    Übersetzt von Leena Flegler

    Originaltitel: Befriaren (Bokförlaget Polaris, Stockholm 2021)


    Herausgeber ‏ : ‎ Blanvalet Taschenbuch Verlag (21. Juni 2023)

    Sprache ‏ : ‎ Deutsch

    Broschiert ‏ : ‎ 512 Seiten

    ISBN-10 ‏ : ‎ 373411165X

    ISBN-13 ‏ : ‎ 978-3734111655


    Inhalt:


    Ein unglaubliches Verbrechen erschüttert die nordschwedische Stadt Boden: Eine Lehrerin, die keine Feinde zu haben scheint, wird ermordet aufgefunden. Noch dazu hat der Täter ihren Leichnam brutal inszeniert: Zwei dicke Nägel wurden durch die Hände der Toten getrieben; sie selbst hängt an einem Deckenhaken, als ihr Ehemann sie entdeckt. Kriminalkommissarin Idun Lind muss herausfinden, warum es zu der schrecklichen Tat kam. Zusammen mit ihrem eigenbrötlerischem Partner Calle Brandt taucht Idun tief in eine schockierende Familiengeschichte ein – und bringt sich damit selbst in höchste Lebensgefahr ...

    Die Autorin:


    Tina N. Martin wurde 1980 geboren und lebt in der Stadt Boden an der schwedischen Grenze zu Finnland. Dort spielt auch ihre Thriller-Reihe über die Kriminalkommissarin Idun Lind, die in »Apfelmädchen« erstmals ermittelt. Tina N. Martins Debütroman schlug in ihrem Heimatland ein wie eine Bombe: Leser*innen wie Kritiker*innen begeisterten sich so sehr für »Apfelmädchen«, dass der Thriller Platz 1 der schwedischen Bestsellerliste erreichte. Wenn Tina N. Martin nicht schreibt, arbeitet die studierte Literaturwissenschaftlerin als Lehrerin an einer Schule in Boden.


    Mein Leseeindruck:


    Ein starkes Debüt! Mir hat das Buch insgesamt sehr gut gefallen und Band 2 der Reihe steht schon auf meiner Liste.


    Idun Lind und Calle Brandt ermitteln in Boden, einer Stadt in Nordschweden, in einem Mordfall. Die Umgebung spielt in der Geschichte keine große Rolle, es kommt also kaum "Schwedenfeeling" auf. Das ist aber ok, denn der Fall, in dem die beiden Ermitteln, ist so spannend, dass ich nichts vermisst habe.


    Es gibt in der Geschichte zwei Zeitebenen: einmal die Ermittlungen, die heute stattfinden und ein zweiter Strang erzählt eine Geschichte, die etwa 1980 beginnt und 15 Jahre weiter geht. In beiden Strängen tauchen unterschiedliche Personen auf und ich musste mir ab der Hälfte des Buches doch eine Liste mit den Namen der Figuren anlegen, sonst hätte ich den Überblick verloren. Dank der Liste habe ich dann auch den Zusammenhang der beiden Handlungsstränge gefunden - sonst wäre mir der vermutlich entgangen. Die Verbindungen sind sehr komplex und von der Autorin sehr gut verknüpft - und auch gut versteckt. Es hat mir Spaß gemacht, alles zusammen mit Idun und Calle herauszufinden.


    Bei aller Begeisterung habe ich aber auch ein paar Schwächen in der Geschichte gefunden. Das Aufeinandertreffen von Polizei und Täter:in gegen Ende erscheint mir doch etwas konstruiert. Aber das verzeihe ich gerne. Und den deutschen Titel finde ich etwas unglücklich. Hier hätte man einfach das schwedische Original nehmen und das Buch "Die Befreier" (oder ähnlich) betiteln sollen.


    Aber ich kann das Buch trotzdem sehr empfehlen! Außer dem ersten Mord ist das Buch eher unblutig, aber die darin beschriebene psychische Gewalt ist nicht zu unterschätzen.


    ASIN/ISBN: 373411165X

  • Apfelmädchen ist das Thriller-Debüt der Autorin Tina N. Martin. Die Geschichte spielt in Schweden in der Gegend um die Stadt Boden, in der Tina N. Martin selbst lebt.



    Die Geschichte kommt für mich scheinbar langsam ins Rollen. Auf den ersten rund 80-100 Seiten gewöhne ich mich an den Erzählstil und die Charaktere. Im Laufe der Erzählung werden es immer mehr Figuren. Diese haben gute Unterscheidungsmerkmale, doch trotzdem muss ich - sobald wiederholt die Rede von einem dieser Charaktere ist - mich bemühen, mich daran zu erinnern, um wen es jetzt gerade geht.

    Die Mühe lohnt sich. 100 gelesene Seiten später mag ich das Buch schon gar nicht mehr aus der Hand legen.

    Apfelmädchen wird in zwei Ebenen erzählt. Die eine Ebene spielt ab dem Jahr 1975, die andere aktuell im August.

    Aktuell sind Kriminalkommissarin Idun Lind und ihr Partner Calle Brandt dabei, einen Mordfall aufzuklären. Die beiden sind ein eingespieltes Team und können sich scheinbar blind aufeinander verlassen. Der Mordfall wirft viele Fragen auf: niemand hatte offenkundig ein Mordmotiv gegen das Opfer. Und doch wurde der Leichnam der jungen Frau sogar eigens in Szene gesetzt.


    Triggerhinweis

    Bei diesem Buch komme ich leider nicht umhin, einen Hinweis zu geben. Wer sich überraschen lassen will, liest hier nicht weiter, sondern erst wieder ab der nächsten Überschrift Meine Meinung.

    Apfelmädchen spricht über häusliche Gewalt, über erwachsene Menschen in Wirkungsfeldern, denen sie nicht gerecht werden und hat einen religiösen bzw. einen Bezug zu Sekten.

    Ich kann alle verstehen, die aufgrund der Thematik hier aussteigen.


    Meine Meinung

    Apfelmädchen ist ein klug erzählter Thriller. Die Geschichte nimmt einen überraschenden Verlauf und wartet mit einem - zumindest anfangs - überraschenden Ende auf. Der Erzählstil wirkt auf mich noch etwas ungelenk, die Geschichte ist aber gleichwohl spannend.

    Es gibt viele Charaktere, die aufeinandertreffen, und diese grenzen sich alle sehr gut voneinander ab. Jeder hat seine Eigenart, seinen eigenen Stil. Das gefällt mir und hat einen hohen Wiedererkennungswert. Bei den Namen musste ich allerdings etwas länger überlegen, wenn die Charaktere wieder in Erscheinung treten. Das hat den Lesefluss etwas gehemmt.

    Dafür war die Spannung da. Tina N. Martin motiviert mich mit ihrer Art die Geschichte zu erzählen die Beweggründe und die handelnden Akteure zu begreifen. Die Emotionen der Charaktere blieben ein wenig auf der Strecke, dafür nimmt Tina N. Martin kein Blatt vor den Mund, wenn es um die Greueltaten geht. Das ist auch der Grund, weshalb ich einen Triggerhinweis in meiner Rezension platziert habe. Dazu kommt eine etwas raue Art, die Geschichte zu erzählen. An zwei, drei Stellen musste ich erst noch einmal zurückgehen, um noch einmal nachzulesen, ob die Figuren auch genau dort sind, wo sie sein sollen: unterwegs im Auto oder noch am Schreibtisch sitzend. Wer sich mit solchen Details nicht aufhält, ist jedoch richtig im Schwung der Geschichte.

    Ich bin mir nicht sicher, ob es an der Art der Erzählung von Tina N. Martin liegt oder ob vielleicht aufgrund der Übersetzung von Leena Flegler abrundende Details fehlen. Bei Übersetzungen aus dem Schwedischen stelle ich häufig fest, dass ein Lektorat der Geschichte oftmals gut tun würde. In dieser Übersetzung von Leena Flegler scheint mir aber alles stimmig übersetzt zu sein.


    Zitat
    "Sie waren als Eltern komplette Versager. All das, was Papa uns zugemutet hat - die Schläge, die Drohungen, der Hohn. Das verzeihe ich ihm nie, und ich verzeihe Mama nicht, dass sie zu alldem den Mund gehalten hat." - Seite 53


    Apfelmädchen gewährt mir als Leserin einen Blick in die Abgründe der menschlichen Psyche. Ich empfehle starke Nerven beim Lesen.


    Zitat
    "Es sind zärtliche Worte, doch seine Stimme ist hart. Mit einem Mal ist ihre Kehle ganz trocken und fühlt sich an wie zugeschnürt. Schon bemerkenswert, wie zwei kurze Sätze ein Gefühl erzeugen, als würde ihr jemand den Hals zudrücken." - Seite 86


    Die Geschichte wird erzählt, wie ein rauer Wind, der einen durchrüttelt und nicht mehr loslässt. Ich freue mich schon jetzt auf den zweiten Band und ein Wiedersehen mit Idun Lind und Calle Brandt mit Gewittermann.

    Wer Apfelmädchen liest, entscheidet sich für einen Blick in die Abgründe der menschlichen Psyche.


    Fazit

    Apfelmädchen ist für alle, die tief in die Abgründe der menschlichen Psyche blicken wollen und eine zeitweilig raue Erzählart abkönnen.


    ASIN/ISBN: 373411165X