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Interview mit Alex Berg

Andrea (Büchereule): Machtlos ist ein hochspannender Thriller und gleichzeitig ein sehr politisches Buch. Gab es dafür einen bestimmten Auslöser?

Alex Berg: Wer die deutsche Sicherheitspolitik der letzten Jahre verfolgt hat, dem wird nicht entgangen sein, dass die Freiheit des Einzelnen in unserem Land unter den getroffenen Maßnahmen mehr und mehr eingeschränkt wird. Insbesondere die Anti-Terror-Gesetze, die nach 9/11 entstanden sind, erlauben Eingriffe in unsere Privatsphäre und unsere Bürgerrechte, die ich für unzumutbar halte. Die Situation hat mich aufgebracht, bringt mich noch immer auf, und ich habe mir überlegt, was passiert wenn …? Damit war die Idee zu Machtlos war geboren. Der fiktiven Story des Buches liegen tatsächliche Geschehnisse zugrunde.

Andrea (Büchereule): Machtlos greift Themen wie Geheimdienst, Verhörlager und Folter auf, wie und wo recherchierst du für solch sensible Themen?

Alex Berg: Aufgrund meiner langjährigen journalistischen Arbeit habe ich Erfahrung mit Recherche und bin ein ganz guter Netzwerker. In der Regel kommt eins zum anderen: Man liest einschlägige Fachliteratur, recherchiert im Internet, nutzt Kontakte, die man im Laufe seines Arbeitslebens aufgebaut hat, findet neue. Die Reihenfolge ist dabei beliebig, manchmal ergeben sich auch ganz unerwartete interessante Aspekte, weil man an bestimmten Punkten nachhakt, noch einmal in die Tiefe geht.

Andrea (Büchereule): Gab es beim Recherchieren Situationen, in denen man dich auflaufen ließ?

Alex Berg: Bei Themen wie in Machtlos ist bei der Recherche sehr viel Fingerspitzengefühl erforderlich. Im Rahmen der Internetrecherche habe ich es bisweilen vorgezogen, dieselbe nicht vom heimischen Rechner aus durchzuführen.

Andrea (Büchereule): Bist du beim Schreiben eine Alleinkämpferin oder kannst du auf Hilfe zurückgreifen, wenn es irgendwo hakelt?

Alex Berg: Wenn der Kopf nicht mehr will, kann ich auf die Hilfe meiner Beine zurückgreifen, denn wenn ich irgendwo hänge, gehe ich joggen und dann löst sich der Knoten.

Andrea (Büchereule): Gibst du nur das vollständige Manuskript aus der Hand oder Kapitelweise?

Alex Berg: Ich gebe etwa alle 100 Seiten etwas an meinen Agenten und meine Lektorin.

Andrea (Büchereule): Wie ist es für dich, wenn dein Testleser oder Lektor deine Figuren kritisiert?

Alex Berg: Das ist überhaupt kein Problem so lange es sich um eine konstruktive Kritik handelt. Wir Autoren sind nicht davor gefeit, von unseren Protagonisten entführt zu werden. Da ist es dann schon ganz hilfreich, wenn von außen einer bremst.

Andrea (Büchereule): Valerie Weymann, Eric Mayer, und Don Martinez gehen in Serie, kannst du uns schon etwas zum nächsten Buch sagen?

Alex Berg: Auch der nächste Roman wird, wie schon Machtlos, den Finger in eine Wunde legen und ein ganz brisantes politisches Thema behandeln, das uns hier in Deutschland zur Zeit beschäftigt, und gleichzeitig auf der internationalen Bühne seinen Platz hat.

Andrea (Büchereule): Kannst du dir vorstellen, selbst politisch aktiv zu werden?

Alex Berg: Ich denke, dass ich gerade mit Machtlos politisch durchaus aktiv geworden bin. Dabei war es mir sehr wichtig, meinen Lesern kein vorgefertigtes Meinungsbild zu vermitteln, sondern sie mitzunehmen, eine Geschichte zu erzählen, Fakten zu liefern und dabei alle Seiten so auszuleuchten, dass sie sich nach Ende der Lektüre selbst eine Meinung bilden können.

Andrea (Büchereule): Wann wird der 2. Teil um Valerie Weymann, Eric Mayer und Don Martinez ungefähr erscheinen und gibt es danach auch noch weitere Teile?

Alex Berg: Der zweite Teil wird rechtzeitig für den Sommerurlaub 2011 erscheinen. Also bitte schon mal den Platz im Koffer reservieren. Weitere Teile sind fest geplant.

Andrea (Büchereule): Wie kommst du auf die Themen deiner Bücher?

Alex Berg: Aus dem weltpolitischen Tagesgeschehen. Es passiert so viel auf der Welt, bei dem es sich lohnt, nach den Hintergründen zu forschen, um das Bild, das uns Politik und Medien liefern, mal von einer anderen Seite zu beleuchten.

Andrea (Büchereule): Begleiten dich deine Bücher während du schreibst immer, also Tag und Nacht oder kannst du dein Büro verlassen und, wenn die Tür geschlossen ist, herrscht der normale Alltag?

Alex Berg: Ich schreibe immer sehr intensiv in nur wenigen Monaten. Daher bin ich zu dieser Zeit dann auch permanent in zwei Welten zu Hause.

Andrea (Büchereule): Wie muss man sich deinen Schreibprozess vorstellen? Entwickelst du erst das Grundschema der Kapitel und baust sie sukzessive auf oder lässt du deine Ideen vom ersten bis zum letzten Kapitel wachsen?

Alex Berg: Es gibt immer ein Konzept. Und es gibt immer die Möglichkeit sich während des Schreibprozesses komplett davon zu lösen. Alles ist offen. Das lässt Raum und gibt gleichzeitig Bodenhaftung.

Andrea (Büchereule): Wie wichtig ist für dich das Internet als Werbefläche?

Alex Berg: Das Internet ist für mich ein ganz wichtiges Medium der Recherche aber natürlich auch der Präsentation. Dabei halte ich gerade Foren wie die Büchereule für Autoren für wichtig und interessant, da hier ein direkter und befruchtender Austausch mit der Lesergemeinde zustande kommen kann. Das ist auch sehr wertvoll für die eigene Reflexion.

Andrea (Büchereule): Wie sieht bei dir ein ganz normaler Arbeitstag aus?

Alex Berg: Derzeit schreibe ich bevorzugt nachts. Da ist die Störfrequenz am geringsten.

Andrea (Büchereule): Welche Literatur magst du selbst gerne?

Alex Berg: Stilistisch und qualitativ muss es stimmen. Das Thema ist zweitrangig. Ich bin ein Vielleser, klassisch, modern und dankbar für jeden guten Tipp.

Andrea (Büchereule): Welcher literarischen Figur würdest du gerne mal begegnen?

Alex Berg: Odysseus

Andrea (Büchereule): Was machst du am Liebsten in deiner Freizeit?

Alex Berg: Motorrad fahren

Andrea (Büchereule): Ich wünsche dir alles Gute für deine Zukunft und danke für dieses Gespräch!

Leserunde: Machtlos – Alex Berg [privat mit Autorin]

Zur Zeit läuft die Leserunde Machtlos von Alex Berg im Leserundenforum. Wir freuen uns wie immer über weitere Teilnehmer.

Kurzbeschreibung:
In Hamburg laufen die Vorbereitungen für den internationalen Krisengipfel auf Hochtouren. Erste Terrorwarnungen sind bereits bei den Geheimdiensten eingegangen. Zur selben Zeit wird die Anwältin Valerie Weymann am Flughafen verhaftet. In end-losen Verhören unterstellen ihr Agenten von BKA und CIA Kontakte zu Terrormitgliedern von al-Qaida. Die Anwältin ist fassungslos und verweigert die Aussage. Doch ihr juristisches Wissen nützt ihr nichts, als am Hamburger Hauptbahnhof eine Bombe explodiert. Der mutmaßliche Täter ist ein Bekannter von ihr. Noch in derselben Nacht wird Valerie in ein geheimes Gefängnis nach Osteuropa gebracht, und eine rasante Jagd auf Leben und Tod beginnt.

Buch-Informationen:
Seiten: 376
Erschienen bei: Droemer/Knaur
Autorin: Alex Berg
Originaltitel: Machtlos
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426506491
ISBN-13: 978-3426506493

Weitere Informationen:
Autorenportrait mit Interview: Alex Berg
Bücherserie: Alex Berg
Leserunde: Machtlos – Alex Berg
Rezension: Machtlos – Alex Berg (Buch)
Weitere Rezensionen: Alex Berg

Rezension: Machtlos – Alex Berg

Machtlos – Alex Berg

Über die Autorin:
Alex Berg wurde 1963 geboren und war viele Jahre journalistisch tätig. Im Laufe der Jahre hat sich für sie ein klarer Interessenschwerpunkt im Bereich Wirtschaft/Politik herauskristallisiert. Die Entscheidung, den Journalismus aufzugeben, um politische Thriller zu schreiben, war somit eine logische Konsequenz. Alex Berg wohnt mit Familie und zwei Hunden in der Nähe von Hamburg.

Meine Meinung:
Die Hamburger Anwältin Valerie Weymann ist geschäftlich auf dem Weg nach London. Sie kommt jedoch nur bis zur letzten Sicherheits- und Passkontrolle im Hamburger Flughafen. Dort wird überraschend und ohne weitere Begründung ihr Pass eingezogen und sie selbst verhaftet. Valerie ist außer sich, kann gerade noch ihrem Mann Marc am Telefon mitteilen, was geschieht, bevor ihr auch das Handy abgenommen wird. Sie wird in einen Verhörraum gebracht und dort von zwei Männern befragt, die ihr ein Foto ihrer Freundin Noor al-Almawi vorlegen. Noor ist seit zwei Wochen spurlos verschwunden. Sehr schnell begreift Valerie, dass es sich bei den beiden Männern um Geheimdienstmitarbeiter handeln muss. Als sie auf ihren Rechten besteht und die Aussage verweigert, da ihr auch der Kontakt zu einem Anwalt verwehrt wird, wird sie kurzerhand über Nacht in eine Zelle gesperrt.

Gleichzeitig versucht ihr Mann Marc herauszufinden, was passiert ist. Doch auch er stößt auf eine Mauer des Schweigens, bis am nächsten Tag bei ihm zu Hause eine Haussuchung stattfindet und er darüber informiert wird, dass Valerie im Verdacht steht, eine terroristische Organisation zu unterstützen….

“Machtlos” rutschte durch eine Empfehlung in mein Urlaubsgepäck, gezielt hätte ich mir das Buch auf Grund des Covers niemals ausgesucht, denn das Cover lässt einen amerikanischen Actionthriller erwarten, da es doch sehr an die Serie 24 mit Kiefer Sutherland angelehnt ist. Doch dieser Eindruck täuscht, denn es handelt sich bei “Machtlos” nicht um einen amerikanischen Actionthriller sondern um einen Politthriller, der zum größten Teil in Hamburg spielt.
Was wäre mir nur ohne die Empfehlung entgangen, denn ich habe das Buch nicht nur gelesen, sondern die knapp 400 Seiten in nur 3 Stunden regelrecht verschlungen!
Den drei Buchteilen ist jeweils eine Charta der Menschenrechte vorangestellt, die verdeutlicht, was der zentrale Punkt in diesem Thriller ist. Was für ein Albtraum muss es sein, wenn man unschuldig unter Terrorverdacht gerät und einem niemand helfen kann, das kann man sich wohl kaum vorstellen….
Der ganzen Welt ist das US-Gefängnis Guantanamo ein Begriff, doch die Amerikaner unterhalten darüber hinaus weltweit weitere Verhörlager, in denen auch gefoltert wird, und in ein solches wird die Protagonistin Valerie gebracht. Spätestens bei den Szenen in diesem Lager in Rumänien ergreift den Leser das blanke Entsetzen. Autor Alex Berg gelingt es, die von Beginn an atemberaubende Spannung noch weiter zu steigern, ohne dabei nur einmal an Glaubwürdigkeit zu verlieren und ohne der Versuchung zu erliegen, sich in blutigen Details zu ergehen. Das Buch ist an keiner Stelle langatmig, im Gegenteil – man hetzt regelrecht durch das Buch, das an Spannung kaum zu überbieten ist und hofft die ganze Zeit, dass die Familie Weymann unbeschadet aus der Situation herauskommt, so unmöglich es auch erscheinen mag.

Machtlos ist ein Wahnsinnsbuch, es ist dramatisch und spannend, berührend und geht unter die Haut, bei manchen Szenen kamen mir Tränen in die Augen, trotzdem konnte ich das Buch dabei nicht für eine Minute aus den Händen legen. Ich weiß nicht, wann mich ein Buch mal so stark berührt hat und auch noch Wochen später geht mir die Geschichte einfach nicht aus dem Kopf.
Wenn man davon ausgeht, dass Alex Berg, und das unterstelle ich einfach mal, für dieses Buch akribisch recherchiert hat, und viele der aufgeführten Orte, Methoden oder Ereignisse durchaus realistisch sind, bekommt die Geschichte noch eine ganz andere, dramatische Bedeutung.

Ich möchte hiermit eine unbedingte Leseempfehlung aussprechen und dieses wirklich unglaubliche Buch jedem ans Herz legen. Allen Fans von Valerie Weymann sei gesagt, dass Machtlos erst das erste Buch rund um die Anwältin ist, wir können uns schon im nächsten Jahr auf den nächsten Band der Serie freuen.

Buch-Informationen:
Seiten: 376
Erschienen bei: Droemer/Knaur
Autorin: Alex Berg
Originaltitel: Machtlos
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426506491
ISBN-13: 978-3426506493

Weitere Informationen:
Autorenportrait mit Interview: Alex Berg
Bücherserie: Alex Berg
Leserunde: Machtlos – Alex Berg
Rezension: Machtlos – Alex Berg (Buch)
Weitere Rezensionen: Alex Berg

Interview mit Arno Strobel

Andrea (Büchereule): Dein erstes Buch “Magus Die Bruderschaft” ist nicht auf dem konventionellen Weg erschienen. Erzähl uns doch mal bitte mal den Weg deines Buches in den klassischen Buchhandel.

© HP Merten
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Arno Strobel: Da muss ich ein wenig ausholen.
Erst einmal ging mein Romanprojekt den Weg der meisten Manuskripte unbekannter Autoren: Ich schrieb ein Exposé, tütete es nebst 20-seitiger Leseprobe und selbstbewusstem Anschreiben ein und schickte es erwartungsvoll an die 20 größten Publikumsverlage. Von da an tigerte ich in freudiger Erregung jeden Tag um den Briefkasten, bis der Postbote endlich kam. Als die Antworten dann aber eintrudelten, wurde mir recht schnell der Kopf gerade gerückt: Ich bekam natürlich 20 Absagen.
Zwischenzeitlich hatte ich zwei Freunden – einem Grafiker und einem Germanisten und Buchhändler – das Manuskript zum Lesen gegeben. Beide waren sehr begeistert, was unter Freunden aber eine eher übliche Reaktion ist. Als nun nach und nach die Absagen ankamen, waren die beiden ebenso enttäuscht wie ich, und wir überlegten gemeinsam, was man unternehmen könnte.
Die Lösung lag in der günstigen Konstellation. Wir hatten einen Autor (Roman), einen Grafiker (Cover und Satz) und einen Germanisten (Lektorat). Also gründeten wir einen Verlag und brachten das Buch selbst mit einer Startauflage von 1000 Stück heraus. Als die Bücher von der Druckerei geliefert wurden, packten wir einen Teil davon in einen Transporter und klapperten damit alle Buchhandlungen in der Großregion Trier ab. Ich schnappte mir jeweils ein Exemplar, stiefelte damit in die Buchhandlung und stellte mich als neuer Trierer Autor vor, der gerne einige Exemplare seines Romanes ganz unverbindlich in Kommission dalassen würde. Dabei wurde ich durchweg sehr freundlich empfangen, und mein Anliegen wurde kein einziges Mal abgelehnt.
Dann passierte die erste interessante Geschichte: Nach etwa einer Woche riefen die ersten Buchhandlungen an und bestellten nach, in den nächsten Tagen folgten weitere. Nach etwa 3 Wochen war die Erstauflage vergriffen, wir tranken Sekt und ließen weitere 1000 Exemplare drucken. Tja, und dann kamen die Faktoren Zufall und Glück ins Spiel, ohne die es wohl nicht geht, denn es geschahen zwei Dinge gleichzeitig: Der Senior-Chef einer der größten deutschen Buchhandelsketten bekam das Buch in die Hand, und ein Vertreter des dtv sah es in einer Trierer Buchhandlung liegen und nahm es mit, als er hörte, dass es von einem neuen Trierer Autor stammt. Dem Vertreter gefiel es so gut, dass er es in München dem Cheflektor des dtv zum Lesen gab. Dem Seniorchef der Buchhandelskette wiederum gefiel es so gut, dass er mir einen Brief schrieb, in dem er mir mitteilte, entgegen seiner Gewohnheit würde er nun drei Verlage anschreiben und ihnen mein Buch ans Herz legen.
Das Resultat war, dass nicht nur der Deutsche Taschenbuch Verlag die Lizenz für meinen MAGUS haben wollte, sondern auch 2 weitere große Publikumsverlage. Den Zuschlag bekam letztendlich der dtv, weil man mir zusicherte, den MAGUS als Spitzentitel herauszubringen, mit Coververedelung usw. Das wurde dann so leider nicht eingehalten, aber immerhin – ich hatte Fuß gefasst.
Bei einem Glas Wein auf der Frankfurter Messe stellte mir Dora Heldt dann Joachim Jessen von der Agentur Schlück vor, der mir nach einigen Kapiteln MAGUS das Angebot machte, mich zu vertreten. Er war es auch, der meinen „Der Trakt“ (die ersten 80 Seiten) anbot, und nachdem man beim dtv der Meinung war, ich solle erst einmal fertig schreiben, die Fischerverlage aber von Anfang an großes Vertrauen in das Manuskript setzten, hatte ich meine neue Heimat gefunden.

Andrea (Büchereule): Wie hast du dich gefühlt, als du zum ersten Mal dein selbst geschriebenes Buch in einer Buchhandlung liegen sahst?

Arno Strobel: Sehr zufrieden, denn ich hatte es (wie oben beschrieben) selbst dahin gelegt.

Andrea (Büchereule): In der nächsten Woche erscheint dein drittes Buch “Der Trakt”. Ist eine Buchveröffentlichung inzwischen schon Routine oder bist du noch sehr aufgeregt?

Arno Strobel: Ich denke und hoffe, eine Buchveröffentlichung wird nie zur Routine werden. Ja, ich bin ganz furchtbar aufgeregt, nicht zuletzt, weil „Der Trakt“ für mich viel Neues bringt: Neues Genre, neuer Verlag, aus Sicht einer weiblichen Protagonistin geschrieben, tatsächlich Spitzentitel … Aufregend!

Andrea (Büchereule): Wie kamst du auf die Idee zu “Der Trakt” / “Das Wesen” (der Titel des nächsten Buches nach “Der Trakt”)?

Arno Strobel: Ich mag keine alles könnende Superhelden. Mich interessieren vielmehr Geschichten, in denen ganz normale Menschen ohne Vorwarnung aus ihrem gewohnten Leben gerissen werden. Dabei lasse ich mich gerne von alltäglichen Ereignissen oder Beobachtungen inspirieren, die ich dann bis ins Extreme ausbaue. Nützlich ist es dabei, sich Fragen zu stellen. Wenn eine Bekannte sich über ihren Sohn ärgert und zu mir im Spaß sagt: „Ich stell mir jetzt einfach mal vor, ich hätte kein Kind“, beginnen die Räder in meinem Kopf zu drehen und ich frage mich, was sie wohl tun würde, wenn das plötzlich alle tatsächlich behaupteten.

Andrea (Büchereule): Wie muss man sich deinen Schreibprozess vorstellen? Wie kommst du generell auf die Themen / Konzepte deiner Bücher? Entwickelst du erst das Grundschema der Kapitel und baust sie sukzessive auf oder lässt du deine Ideen vom ersten bis zum letzten Kapitel wachsen?

Arno Strobel: Ich habe eine Grundidee und überlege mir dazu zwei Dinge: Wie ziehe ich die Leser/innen gleich auf den ersten Seiten ins Thema, und wie löse ich am Ende logisch auf. Erst wenn ich auf beide Fragen eine zufriedenstellende Antwort habe – und das gilt im Besonderen für die letzte, denn ich hasse konstruierte, unlogische Auflösungen -, beginne ich mit dem Schreiben. Dann allerdings geht es oft kreuz und quer. Ich habe zwar meist drei, vier markante Punkte, aber meine Protagonisten gehen häufig andere Wege und mir bleibt nichts, als ihnen hinterher zu schreiben und mich überraschen zu lassen.

Andrea (Büchereule): Wie recherchierst du für deine Bücher? Kannst du das von zu Hause aus erledigen, musst du Recherchereisen unternehmen, nutzt du das Internet, kurzum: Wie gehst du vor?

Arno Strobel: Es ist ein Zusammenspiel aus allem. Ich lese viel im Web nach, aber wenn es irgendwie möglich ist, besuche ich die Orte, über die ich schreibe, denn manche Orte muss man erlebt, errochen, erfühlt haben, um ihnen gerecht zu werden, wenn man sie benutzt. So war ich für den „MAGUS“ und „Castello Cristo“ zwei Mal für jeweils vier Tage in Rom. Ich habe in einem Priesterseminar gewohnt und mich viel im Vatikan aufgehalten.
In Regensburg, wo „Der Trakt“ spielt, war ich sieben oder acht Mal, in Aachen (Das Wesen) bestimmt schon 50 Mal.

Andrea (Büchereule): Was hältst du von Seminaren für kreatives Schreiben oder Internetforen, in denen sich Autoren austauschen und unterstützen? Können sie hilfreich sein?

Arno Strobel: Ich denke schon, dass Seminare hilfreich sein können, aber man darf nicht vergessen, dass man auf Seminaren nur den handwerklichen Teil des Schreibens lernen kann. Wer denkt, er braucht nur genügend Seminare zu besuchen um anschließend automatisch ein guter Autor zu werden, befindet sich gehörig auf dem Holzweg. Eine Portion Talent und möglichst viele Jahre Leseerfahrung sollte man schon mitbringen. Dann allerdings sind diese Seminare sicher eine gute Sache.
Auch die sogenannten Schreibforen können hilfreich sein, wenn man sich einige Dinge bewusst macht, wie ich aus eigener Erfahrung weiß: Befindet man sich in einem der unzähligen privaten Amateurforen, haben viele der Leute, die dort kritisieren und gute Ratschläge geben, meist selbst keinerlei Erfahrung, man muss also lernen, die Spreu vom Weizen zu trennen. Zudem entstehen Kritiken dort häufig aufgrund persönlicher Sympathien oder Antipathien, auch das muss man wegstecken können.
Weitaus positiver sehe ich da Foren von erfahrenen AutorInnen, die wissen, wovon sie reden. Dort muss man sich häufig bewerben, um aufgenommen zu werden, ist dann aber gut aufgehoben und hat die Chance, von erfahrenen Autorinnen und Autoren zu lernen. Es gibt einige davon, als Beispiel sei hier nur Montsegur von Andreas Wilhelm genannt.

Andrea (Büchereule): Wie wichtig ist für dich das Internet als Werbefläche?

Arno Strobel: Sehr wichtig. Ich denke, dass der Großteil meiner Leser/innen sich im Internet bewegt und auch Bewertungen und Rezensionen zurate zieht, wenn es um die Auswahl des Lesestoffes geht.

Andrea (Büchereule): Wieweit beeinflusst das Internet (eigene Website, Bücherforen) das Verhältnis zwischen Leserschaft und Autor?

Arno Strobel: Leser und Autor sind dank Internet näher zusammen gerückt, was für beide Seiten bestimmt eine gute Sache ist. Für mich als Schreibenden bedeutet es, ich bin auch in der intensiven Schreibphase nicht mehr meinem einsamen Büro ausgeliefert, sondern kann jederzeit mit Leser/innen in Kontakt treten, wenn ich das möchte.

Andrea (Büchereule): Wie sehr beeinflussen / wirken Leserunden auf dich?

Arno Strobel: Ich finde sie gerade bei einem neuen Buch sehr interessant, weil ich als Autor sehr früh viele ehrliche Rückmeldungen auf mein Buch bekomme. Ich denke, bei einer Leserunde fällt es den Leser/innen leichter, auch mal etwas Kritisches zu sagen, als das bei Lesungen der Fall ist.

Andrea (Büchereule): Wie sieht bei dir ein ganz normaler Arbeitstag aus?

Arno Strobel: Aufstehen um halb sieben. Duschen, Frühstücken, die Tochter zur Schule bringen, in die Bank fahren (40 Min.). Arbeiten bis ca. halb sechs. Dann nach Hause, mit der Familie Abendbrot essen. In „normalen“ Zeiten gehe ich jeden zweiten Tag laufen, dann bringen wir die Kids zusammen ins Bett. Ca. dreimal die Woche verschwinde ich dann für zwei bis drei Stunden im Arbeitszimmer und arbeite an meinem Roman. Am Wochenende gehört ein Tag der Familie und ein Tag dem aktuellen Romanprojekt.
In den letzten Wochen vor einem Abgabetermin schreibe ich jeden Abend und jeden Tag des Wochenendes.

Andrea (Büchereule): Welche Literatur magst du selbst gerne?

Arno Strobel: Ich nehme fast alles in die Hand, hauptsächlich aber Thriller und Krimis.

Andrea (Büchereule): Welcher literarischen Figur würdest du gerne mal begegnen?

Arno Strobel: Winnetou. Ich würde gerne mal einen Menschen leibhaftig erleben, der ein dermaßen ausgeprägtes, natürliches Empfinden für Gut und Böse hat, ohne dabei ins Gutmenschentum abzudriften und den ganzen Tag mit erhobenem Zeigefinger herumzulaufen.

Andrea (Büchereule): Was machst du am Liebsten in deiner Freizeit?

Arno Strobel: Urlaub mit meiner Familie und Sport. Wenn ich beides kombinieren kann – perfekt.

Andrea (Büchereule): Wir wünschen dir alles Gute für deine Zukunft und danken für dieses Gespräch!

Arno Strobel: Ich danke allen, die dazu beigetragen haben und es noch tun, dass es die Büchereule gibt.