Interview mit Alex Berg
Andrea (Büchereule): Machtlos ist ein hochspannender Thriller und gleichzeitig ein sehr politisches Buch. Gab es dafür einen bestimmten Auslöser?
Alex Berg: Wer die deutsche Sicherheitspolitik der letzten Jahre verfolgt hat, dem wird nicht entgangen sein, dass die Freiheit des Einzelnen in unserem Land unter den getroffenen Maßnahmen mehr und mehr eingeschränkt wird. Insbesondere die Anti-Terror-Gesetze, die nach 9/11 entstanden sind, erlauben Eingriffe in unsere Privatsphäre und unsere Bürgerrechte, die ich für unzumutbar halte. Die Situation hat mich aufgebracht, bringt mich noch immer auf, und ich habe mir überlegt, was passiert wenn …? Damit war die Idee zu Machtlos war geboren. Der fiktiven Story des Buches liegen tatsächliche Geschehnisse zugrunde.
Andrea (Büchereule): Machtlos greift Themen wie Geheimdienst, Verhörlager und Folter auf, wie und wo recherchierst du für solch sensible Themen?
Alex Berg: Aufgrund meiner langjährigen journalistischen Arbeit habe ich Erfahrung mit Recherche und bin ein ganz guter Netzwerker. In der Regel kommt eins zum anderen: Man liest einschlägige Fachliteratur, recherchiert im Internet, nutzt Kontakte, die man im Laufe seines Arbeitslebens aufgebaut hat, findet neue. Die Reihenfolge ist dabei beliebig, manchmal ergeben sich auch ganz unerwartete interessante Aspekte, weil man an bestimmten Punkten nachhakt, noch einmal in die Tiefe geht.
Andrea (Büchereule): Gab es beim Recherchieren Situationen, in denen man dich auflaufen ließ?
Alex Berg: Bei Themen wie in Machtlos ist bei der Recherche sehr viel Fingerspitzengefühl erforderlich. Im Rahmen der Internetrecherche habe ich es bisweilen vorgezogen, dieselbe nicht vom heimischen Rechner aus durchzuführen.
Andrea (Büchereule): Bist du beim Schreiben eine Alleinkämpferin oder kannst du auf Hilfe zurückgreifen, wenn es irgendwo hakelt?
Alex Berg: Wenn der Kopf nicht mehr will, kann ich auf die Hilfe meiner Beine zurückgreifen, denn wenn ich irgendwo hänge, gehe ich joggen und dann löst sich der Knoten.
Andrea (Büchereule): Gibst du nur das vollständige Manuskript aus der Hand oder Kapitelweise?
Alex Berg: Ich gebe etwa alle 100 Seiten etwas an meinen Agenten und meine Lektorin.
Andrea (Büchereule): Wie ist es für dich, wenn dein Testleser oder Lektor deine Figuren kritisiert?
Alex Berg: Das ist überhaupt kein Problem so lange es sich um eine konstruktive Kritik handelt. Wir Autoren sind nicht davor gefeit, von unseren Protagonisten entführt zu werden. Da ist es dann schon ganz hilfreich, wenn von außen einer bremst.
Andrea (Büchereule): Valerie Weymann, Eric Mayer, und Don Martinez gehen in Serie, kannst du uns schon etwas zum nächsten Buch sagen?
Alex Berg: Auch der nächste Roman wird, wie schon Machtlos, den Finger in eine Wunde legen und ein ganz brisantes politisches Thema behandeln, das uns hier in Deutschland zur Zeit beschäftigt, und gleichzeitig auf der internationalen Bühne seinen Platz hat.
Andrea (Büchereule): Kannst du dir vorstellen, selbst politisch aktiv zu werden?
Alex Berg: Ich denke, dass ich gerade mit Machtlos politisch durchaus aktiv geworden bin. Dabei war es mir sehr wichtig, meinen Lesern kein vorgefertigtes Meinungsbild zu vermitteln, sondern sie mitzunehmen, eine Geschichte zu erzählen, Fakten zu liefern und dabei alle Seiten so auszuleuchten, dass sie sich nach Ende der Lektüre selbst eine Meinung bilden können.
Andrea (Büchereule): Wann wird der 2. Teil um Valerie Weymann, Eric Mayer und Don Martinez ungefähr erscheinen und gibt es danach auch noch weitere Teile?
Alex Berg: Der zweite Teil wird rechtzeitig für den Sommerurlaub 2011 erscheinen. Also bitte schon mal den Platz im Koffer reservieren. Weitere Teile sind fest geplant.
Andrea (Büchereule): Wie kommst du auf die Themen deiner Bücher?
Alex Berg: Aus dem weltpolitischen Tagesgeschehen. Es passiert so viel auf der Welt, bei dem es sich lohnt, nach den Hintergründen zu forschen, um das Bild, das uns Politik und Medien liefern, mal von einer anderen Seite zu beleuchten.
Andrea (Büchereule): Begleiten dich deine Bücher während du schreibst immer, also Tag und Nacht oder kannst du dein Büro verlassen und, wenn die Tür geschlossen ist, herrscht der normale Alltag?
Alex Berg: Ich schreibe immer sehr intensiv in nur wenigen Monaten. Daher bin ich zu dieser Zeit dann auch permanent in zwei Welten zu Hause.
Andrea (Büchereule): Wie muss man sich deinen Schreibprozess vorstellen? Entwickelst du erst das Grundschema der Kapitel und baust sie sukzessive auf oder lässt du deine Ideen vom ersten bis zum letzten Kapitel wachsen?
Alex Berg: Es gibt immer ein Konzept. Und es gibt immer die Möglichkeit sich während des Schreibprozesses komplett davon zu lösen. Alles ist offen. Das lässt Raum und gibt gleichzeitig Bodenhaftung.
Andrea (Büchereule): Wie wichtig ist für dich das Internet als Werbefläche?
Alex Berg: Das Internet ist für mich ein ganz wichtiges Medium der Recherche aber natürlich auch der Präsentation. Dabei halte ich gerade Foren wie die Büchereule für Autoren für wichtig und interessant, da hier ein direkter und befruchtender Austausch mit der Lesergemeinde zustande kommen kann. Das ist auch sehr wertvoll für die eigene Reflexion.
Andrea (Büchereule): Wie sieht bei dir ein ganz normaler Arbeitstag aus?
Alex Berg: Derzeit schreibe ich bevorzugt nachts. Da ist die Störfrequenz am geringsten.
Andrea (Büchereule): Welche Literatur magst du selbst gerne?
Alex Berg: Stilistisch und qualitativ muss es stimmen. Das Thema ist zweitrangig. Ich bin ein Vielleser, klassisch, modern und dankbar für jeden guten Tipp.
Andrea (Büchereule): Welcher literarischen Figur würdest du gerne mal begegnen?
Alex Berg: Odysseus
Andrea (Büchereule): Was machst du am Liebsten in deiner Freizeit?
Alex Berg: Motorrad fahren
Andrea (Büchereule): Ich wünsche dir alles Gute für deine Zukunft und danke für dieses Gespräch!
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